... der Rudelführer... die Rudelführerin...

 

"Dein Hund muss Dich als Rudelführer anerkennen, dann hört er auch auf Dich"

 

Aber was ist ein Rudelführer überhaupt? Kann ein Mensch das sein?

Und vor allem: Wie werde ich ein guter "Rudelführer"?

 

Streng wissenschaftlich betrachtet ist ein Rudel eine Gruppe von miteinander verwandten Tieren, beispielsweise Wölfe. Deswegen hört man manchmal den Einwand, ein Mensch könne kein Rudelführer sein. Denn so eng wir uns mit unseren Vierbeinern auch verbunden fühlen... Verwand sind wir sicher nicht. Im wissenschaftlichen Sinne kannst Du also kein Rudelführer sein. Das musst Du aber auch gar nicht, denn Hunde sind keine Wölfe und haben sich an das Leben mit Menschen ein stückweit angepasst.

Im alltäglichen Sprachgebrauch muss man es aber nicht so genau nehmen.

Wahrscheinlich übertragen Hunde die Formen und Regeln des Zusammenlebens mit ihren Artgenossen auch auf uns Menschen. Aus Sicht Deines Hundes seid Ihr also eine Art Rudel...

Im Idealfall bist Du der Anführer dieses Rudels.

 

Was genau bedeutet die Rolle des Rudelführers?

 

Die alte Sicht: "Der Stärkste hat das Sagen..."

Früher gingen sogenannte Experten davon aus, dass ein Rudelführer sich vor allem durch Macht und Stärke auszeichnet. Bei in Gefangenschaft gehaltenen Wölfen hatten sie beobachtet, dass schwächere Tiere sich dem Stärksten unterwarfen und so eine strenge Rangordnung entstand. Wenn sich ein Wolf nicht freiwillig unterwerfen wollte, kam es zum Kampf und der Sieger wurde zum Chef des Rudels. Dementsprechend stellte man sich einen Rudelführer vor.

Er bestimmt, was die anderen tun, beansprucht das beste Futter, sowie die bequemsten Liegeplätze für sich und weist mögliche Konkurrenten sofort in die Schranken...

Ein echtes Alpha-Männchen eben. Aus dieser Ansicht müsste auch ein Mensch vor allem Stärke zeigen, um von seinem Hund anerkannt zu werden.

Jedoch ist ein häufiger Fehler älterer Ansätze die Sichtweise, der Rudelführer müsse absolut streng sein. Allerdings zeigt sich mehr und mehr, dass dies Fehlschlüsse sind, ausgelöst nicht wesentlich durch die Art der Beobachtung.

 

Die neue Sicht: "Familienverband"

Zu den veralteten Schlüssen kam man durch die Beobachtung von Wölfen in Gefangenschaft.

In den letzten Jahrzehnten haben Forscher hingegen verstärkt freilebende Wölfe beobachtet.

Sie stellten fest, dass diese sich anders verhalten, als ihre in Gefangenschaft lebenden Artgenossen. In der freien Natur besteht ein Rudel aus einem Elternpaar und dessen unterschiedlich alten Nachkommen. Das Verhalten ähnelt insgesamt mehr einer typischen menschlichen Familie. An der Spitze stehen mit dem Elternpaar also immer zwei Tiere.

Aber auch diese beiden sind keine gemeinsamen Regenten. Sie haben zwar eine Leitrolle im Rudel, aber diese beruht nicht auf Machtkämpfe. Stattdessen ordnen sich die jüngeren Tiere freiwillig den Älteren unter, weil sie merken, dass diese mehr Erfahrung haben. Die älteren Wölfe kennen das Revier besser, können Gefahren sicherer einschätzen und sind geschickter bei der Jagt. Für ihren Nachwuchs ist es nur logisch, die Entscheidungen der Eltern zu respektieren und von ihnen zu lernen. Schließlich sichern sie sich damit auch ihr eigenes Wohlergehen. In besonderen Situationen wird so auch schnell ein anderer Wolf zum Anführer.

Von ständigen internen Machtkämpfen kann keine Rede sein.

 

Rudelführer werden...

... Vertrauen wecken, statt Macht zeigen.

 

Es macht also durchaus Sinn, dass Du für Deinen Hund der Rudelführer bist.

Wie wirst Du Rudelführer? Nicht, indem Du Deinem Hund Deine Macht demonstrierst!

Damit Dein Hund Dich als Rudelführer anerkennt, musst Du sein Vertrauen gewinnen.

Zeige Deinem Vierbeiner, dass Du Situationen besser einschätzen kannst und die richtigen Entscheidungen für ihn triffst... so wie es die Elterntiere im Familienrudel tun.

Einzelne Privilegien wie die Frage nach dem bequemsten Schlafplatz spielen nach heutigem Wissensstand für die Führungsposition im Rudel kaum eine Rolle. Wenn Du möchtest, dass Dein Hund mit Dir auf der Couch liegt, kannst Du ihm das ruhig erlauben.

Möchtest Du das nicht, stellt dies auch kein Problem dar.

 

Mit Gewalt seine Macht zu zeigen, hat ein echter Rudelführer nicht nötig. Dein Hund versteht es deshalb nicht, wenn Du ihn körperlich unterwirfst, indem Du ihn zu Boden drückst oder gar auf den Rücken drehst. Im schlimmsten Fall kann das sogar sein Vertrauen zu Dir beschädigen. Mit positiver Verstärkung und richtiger Belohnung kannst Du gute Erfolge erzielen. 

Allerdings gilt: Konsequent und klar musst Du trotzdem sein, denn sonst versteht Dein Hund nicht, was Du von ihm willst.

 

Wie verhalte ich mich als Rudelführer?

 

Sei souverän und kompetent und versuche, auch in schwierigen Momenten gelassen zu bleiben. Wenn du selbst hektisch oder gar ängstlich wirkst, merkt Dein Hund das sofort. Er wird Dir dann nicht mehr zutrauen, dass Du besser mit der Situation umgehen kannst als er. Beziehe auch den Faktor Emotionen in die Hundeerziehung mit ein.

Dein Hund muss sich darauf verlassen können, dass Du die richtigen Entscheidungen für ihn triffst. Deswegen solltest Du ihn nicht in Situationen bringen, die ihn überfordern.  Das letzte Zauberwort heißt Zuverlässigkeit. Wenn Du Deinem Hund heute etwas erlaubst, wofür Du ihn morgen schimpfst, bist Du kein verlässlicher Rudelführer. Schließlich weißt Du selbst nicht, was Du willst...

Überlege Dir also genau, was Dein Hund darf und was nicht. Diese Regeln setzt Du freundlich, aber bestimmt und konsequent durch. Überlege auch immer, wie Du Dich selbst in Verbindung mit Deinem Hund siehst, denn auch das hat einen großen Einfluss auf ihn.

 

Willst Du also Rudelführer sein? Dann benimm Dich auch wie einer!